Hausbrauen


"Hopfen und Malz - Gott erhalt´s"

Warum selber Bier brauen?

Bier ist heute leider immer mehr zu einem einfärbigen Industrieprodukt verkommen. Aus diesem Grunde gehen immer mehr Individualisten dazu über, ihr eigenes Bier - so wie es bis ins ausgehende letzte Jahrhundert in machen ländlichen Haushalten noch üblich war - selbst zu brauen. Neben dem Spaß am Selberbrauen ist es faszinierend, Bierspezialitäten herzustellen die nicht mehr zu kaufen oder nur schwer zu beschaffen sind.

Auch zwingt den Hausbrauer keiner das - aus heutiger Sicht sinnlose - Deutsche Reinheitsgebot einzuhalten. So ist es nicht verwunderlich, dass viele HausbrauerInnen Bierklassiker wie das Wit-Bier oder das Triple Ale nach Originalrezepten nachbrauen. Auch Frucht- und Kräuterbiere werden in den Hausbrauereien immer öfter gebraut.
Die folgenden Seiten sollen dir das Hausbrauen als eine spannende Freizeitbeschäftigung näher bringen und auch auf heute schon fast vergessende Bierrituale, wie z.B.das Bierstacheln, hinweisen.

Vorgeschichte

ca.1982 In diesem Jahr begann ich mich näher mit dem Thema Bier zu beschäftigen. Mit meinem Freund und Arbeitskollegen Gerhard mache ich so manches Wirtshaus unsicher, immer auf der Suche nach Bierspezialitäten. In diesem Jahr kommt mir auch der Gedanke, es einmal "selbst zu versuchen", sprich selber Bier zu brauen. Also losgezogen, ein schlaues Buch gekauft und...........
Ja, weiter bin ich damals nicht gekommen. Rückblickend kann ich nicht mehr genau sagen, woran es gelegen ist, aber wahrscheinlich waren wieder mal die Frauen schuld :-)

Jänner 2000

Nach 20 Jahren der Turbolenzen und einer Scheidung glaube ich endlich die richtige Frau für´s Leben gefunden zu haben. Nach reichlicher Überlegung (ein gebranntes Kind....) beschließen wir, zusammen zu ziehen. Aus beruflichen Gründen kann meine Freundin nicht von ihrem Wohnort nach Wels (meiner Heimatstadt) übersiedeln, und so mieten wir uns vorübergehend eine kleine Wohnung in Kirchdorf. Das dies keine längerfristige Lösung sein kann ist uns beiden bewußt, aber so haben wir wenigstens genug Zeit und auch den notwendigen Ansporn uns auf die Suche nach einem Haus/Häuschen oder ähnliches zu machen. Jänner 2002
Endlich - wir haben es gefunden. Ein kleines, schmuckes Häuschen am Stadtrande von Kirchdorf, und doch nur 5 Gehminuten vom Zentrum entfernt. Es gibt zwar einiges zu Renovieren, aber was ist denn das schon gegen ein eigenes Häuschen mit Garten mitten im Grünen? Und endlich genug Platz für alle meine Sachen, Bücher, und und und..., alles was ich noch in Wels eingelagert habe! Auch meine Lebensgefährtin ist vollauf begeistert, und so beginnen wir nun uns neu einzurichten.
< Der aufmerksame Leser mag jetzt schon erahnen was jetzt zwangsweise kommen muss: Natürlich fiel mir beim Übersiedeln das 1982 gekaufte Büchlein wieder in die Hand - Bier zuhause selbst gebraut. Diesmal beschließe ich aber, mein Vorhaben von vor über 20 Jahren endlich in die Tat umzusetzen.

Gegenwart

Mai 2002
Über das Internet suche ich mir noch alle Infos über diverse Hobby- und Heimbrauseiten zusammen. Das gab´s vor 20 Jahren noch nicht. Bei einer Wiener Firma dann die notwendigsten Utensilien bestellt, Hopfen, Malz, die Küche nach zweckdienlichen Geräten durchsucht und ab in die Holzhütte vor meinem Haus, welche mir fortan als Sudhaus dienen soll.



Mai 2002 - Mein erster Sud

So mitte Mai gings dann richtig los - der erste Sud! Zuerst nochmals alles kontrolliert, alles da, gut, dann kanns ja losgehen. Von einem Bekannten bekomme ich noch schnell einen "Glühweintopf" mit ca. 30 Liter Inhalt und 1,8 KW Heizleistung geschenkt. Naja, dann kann ja gar nichts mehr schiefgehen. 20 Liter Wasser auf 53 Grad C bringen, dann Malz dazu, aufheizen, ganz nach meinen schlauen Büchlein gemacht. Aber halt - was soll das? Ich hab doch die Heizung bei 63 Grad C abgedreht, wieso heizt denn das noch immer weiter ? Bin jetzt schon bei 73 Grad C, Panik bricht aus! Schnell kaltes Wasser dazugeschüttet, aber jetzt bin ich wieder nur bei 49 Grad C ?? Mehr schlecht als recht bring ich die drei Rastzeiten hin, und dann geht´s zum Abläutern. Stuhl umgedreht, Windeln drauf, Eimer untergestellt, Würze in die Windeln geschüttet - peng - die Windel löst sich vom Stuhlbein. Also nochmals von vorne, diesmal Windel fester ans Stuhlbein gebunden. 20 Liter Nachguss auf Temperatur bringen und nochmals drübergeschüttet. Und wieso rinnt das ganze jetzt so langsam durch? Aber auch das ist nach zweieinhalb Stunden geschafft. Jetzt kann doch ichts mehr schief gehen! Die klare Würze wieder zurück in den Glühweintopf, und voll aufgedreht zum Kochen. Dachte ich zumindest, denn bei 85 Grad C geht nichts mehr weiter. So, und jetzt? Schnell zu meiner Lebensgefährtin in den Kindergarten gefahren, die haben doch irgendwo so eine Kochplatte rumliegen. Wieder zurück, alles vom Glühweintopf in einen großen Kochtopf umgeschüttet, Heizplatte auf volle Leistung und endlich fängt´s auch an zu kochen. Sprudelnd kochen soll es, und das 90 Minuten lang, na gut. Mit Interesse verfolge ich den immer mehr absinkenden Würzespiegel im Kochtopf. So ca. 25 - 30 Liter fertiges Bier war geplant, und das sehe ich mit jeder Minute mehr verdampfen. Endlich - nach 90 Minuten Kochende! In der Zwischenzeit ist auch meine Lebensgefährtin von der Arbeit zurück und will einkaufen fahren. Hab ich ihr doch versprochen, stimmt, ja. Aber bis dorthin wollte ich doch mit meinem Bier fertig sein. Gut, hilft nichts, versprochen ist versprochen. Ich lasse alles liegen und stehen, kann doch nichts mehr passieren, jetzt da das Bier schon fertig gekocht ist!

Nach eineinhalb Stunden wieder zurück vom Einkauf, Bier ist nur noch lauwarm, aber jetzt auf zum Hopfenseien! Stuhl - Windeln - dasselbe Abenteuer von vorne. Aber auch das ist endlich geschafft, ab in den Gärbottich und obergärige Hefe dazu.
Einen Tag später, 6 Uhr morgens: Das Bier gärt, denn man sieht den Schaum. Aber von wild kräuselnden Schaumbergen ist nichts zu sehen. Auch nicht am nächsten Tag. Und am übernächsten auch nicht. Eine ganze Woche lang nicht. Und jetzt ist das bisschen Schaum auch noch weg. Ich beschließe, die Speise dazuzugeben und in Flaschen abzufüllen. Natürlich, mit Kronkorken verschlossen.
Gleich vorweggenommen: Flasche hat es keine zerrissen!

Nach ca. 3 Wochen Nachgärung wollte ich´s dann doch genau wissen - ich öffne die erste Flasche selbstgebrautes Bier. Naja, schmeckt schon irgendwie komisch und so gar nicht nach Bier. Vielleicht noch eine Woche zuwarten? Je länger ich warte umso "komischer" schmeckt das Bier, und irgendwann muss ich Farbe bekennen, denn meine Lebensgefährtin drängt schon auf die Verkostung. Schließlich nehme all meinen Mut zusammen, öffne eine Flasche Selbstgebrautes und schenke es ihr in ein Glas ein. Ja, die Farbe ist in Ordnung, die Schaumkrone auch. Noch ist sie vollen Lobes, aber ich sehe schon das Unheil kommen. Voller Genuss setzt sie das Glas an die Lippen und nimmt den ersten Schluck. Plötzlich - ein verzogenes Gesicht, und nur ein Wort: ESSIG !
Der geneigte Leser mag erahnen, was passiert ist. Irgendwo und irgendwie haben sich da ein paar schlimme Essigbakterien in mein Bier eingenistet. Eine befreundetes Ehepaar ist auch bei uns auf Besuch, sie heißt Anita und kommt aus Peru. Die muss natürlich auch gleich kosten - diese Schande! Doch siehe da, ihr Kommentar zum "Essigbier": mhm, gut, so schmeckt das Bier bei uns auch. Jetzt weiß ich´s, das Bier ist schon in Ordnung, hab´s halt nur im falschen Land gebraut.....

Zähneknirschend öffne ich alle Flaschen, es will nicht einmal wer einen Bieressig, und sehe mich gezwungen alles wegzuschütten. Naja, zumindest hat das saure Bier jetzt meine Abflüsse mal so richtig gereinigt.
Ich beschließe, bevor ich mit meinem zweiten Sud beginne, mir noch ein paar Gerätschaften zuzulegen bzw. selbst zu bauen und die vorhandenezu verbesser. Doch darüber ist dann weiter unten zu lesen.


Juni bis September 2002

In dieser Zeit habe ich meine Gerätschaften verbessert und nochmal 2 Sude gebraut. Zum Maischen und Kochen verwende ich jetzt ausschließlich den Kochtopf mit 35 Liter Inhalt und eine Kochplatte, welche von 2 Tauchsiedern unterstützt wird. Zum Läutern verwende ich die "Eimer in Eimer" - Methode, gekühlt wird mit eingefrohrenen Mineralwasserflaschen, Würzebelüftung mit einer Aquarienpumpe und die Hauptgärung findet jetzt in einem richtigen Gärfass mit Spund statt.
Leider kann ich aber maximal 30 Liter fertiges Bier brauen, was mir jetzt einfach zu wenig wird. Mein Wunschziel wäre, 50 - 100 Liter fertiges Bier mit einem Sud brauen zu können.


6.Oktober 2002 bis Juni 2003:
In verschiedenen Versuchen wird meine Brauerei verbessert. Ein Versuch mit einem aufgeschnittenene Heisswasserboiler brachte nicht das gewünschte Ergebnis. Eine Anlage, bestehend aus KEGs für den Sud- Läuter- und Maischekessel bring den gewünschten Erfolg.
Diverse Gerätschaften (Hockerkocher, KEGs, NC-Kegs, Durchlaufkühler, Zapfgarnituren, ...) werden angeschafft, sehr viel selbst gebastelt. Ich stelle fest: eine ewige Baustelle.
In den darauffolgenden Jahren wird - je nach Lust und Laune - einmal mehr, einmal weniger Bier gebraut.
Juli 2011 - wie die Zeit vergeht
Ja, man glaubt es kaum, aber die Zeit bleibt nicht stehen. Wir werden alle älter, die Jahre spürt man schon in den Knochen, doch das Bier schmeckt nach wie vor. Wenn nur die Plackerei beim Brauen nicht wär!
50 Liter Bier sind 100 Flachen welche gereinigt, desinfiziert und gefüllt werden wollen, die schweren 50kg KEGs heben und bewegen, nein, das wird mir mit der Zeit zu viel. Also beschließe ich: - ein Rückbau muss her !!!

Oder soll ich mir gleich etwas vollautomatisches zulegen, so in die Richtung Braumeister oder Braueule ? Den Braumeister würde es in einer 50 bzw. 20 Liter Variante geben, die Braueule mit ca. 30 Liter. Schließlich entscheide ich mich für den Braumeister 20 Liter, welcher auch gleich bestellt wird. Meine alte Anlage wird demontiert und die übrigen Teile zum Verkauf angeboten.

Okober 2011
Der Braumeister ist eine Wucht. Bisher 7 Sude hinter mir, ein reines Vergnügen. Ausschlagmenge irgendwo zwischen 20 und 25 Liter. Es entstehen jetzt wesentlich mehr verschiedene, saisonelle Biere wie Hollerbiere, Kräuterbiere, Pale Ale, ...

Übrig geblieben von meiner alten Anlage sind unter anderem noch 2 Einkocher, welche jetzt als zweite Brauanlage adaptiert werden. Mit Rührwerk ausgestattet und von Mash-It! automatisch gesteuert habe ich jetzt 2 Brauanlagen, welche wie folgt verwendet werden:

- Braumeister für den schnellen Quicki zwischendurch
- Einkocher für Sude welche mit dem Braumeister nicht machbar sind (z.B. Bockbiere)
- beide zusammen zum Hardcore - Brauen mit einem Gesamtausstoß bis zu 50 Liter

so ist es mir jetzt auch möglich kleine Sude von 20-25 Liter sowie auch eine größere Ausschlagmenge von 50-55 liter zu brauen.

März 2012
Mehrere Sude mit dem Braumeister und dem Einkocher sind fertig. Bin begeistert, viele neue Biere werden so kreiert und ausprobiert. Ein eigener Bier - Blog wurde eingerichtet.
Der Blog wurde in der Zwischenzeit eingestellt. Durch die Entwicklungen im Internet bedingt, wird jetzt auf Facebook gepostet :-)

2012 - 2013
Im Jahr 2012 noch einige sehr gute Biere gebraut. Darunter Hollunderbiere, Rauchbiere und auch normale Märzenbiere.
2013 leider wegen Zeitmangel noch kein einziges mal zum Brauen gekommen.